Spiele spielenDie Wochen, die uns die Veröffentlichung von “Grand Theft Auto IV“ und eine Pressekonferenz zu den Details der in Kürze erscheinenden "Gears of War 2" bringen, geben uns die Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie das Spielen einen mehr oder weniger großen Teil unseres Lebens eingenommen hat.
GTA ist in der Tat eines der Spiele, das als Beispiel für fast alle Deskriptoren des
PEGI Systems angegeben wird: Fluchworte, Diskriminierung, Drogen, Sex, Gewalt, Glücksspiel (keine Angst jedoch). Es ist zweifellos ein gewalttätiges und, für manche, geschmackloses Spiel.
Dies ist jedoch nicht unbedingt genug, um das Spiel zu verbieten, so lange die SpielerInnen verstehen, um welche Art Spiel es sich handelt. Die Originalversion von
Gears of War wurde in Deutschland verboten, und die Fortsetzung enthält, laut manchen, „noch eindeutigere Gewalt als ihr notorisch blutiger Vorgänger
(1). Ein Spieler jedoch meinte: „Der Verkauf von Gears of War wurde in Deutschland verboten, die meisten Deutschen müssen das Spiel also aus Österreich importieren”
(2), und bewies somit dass ein nationales Verbot auf dem freien Markt recht unwirksam sein kann.
Obwohl einige Berichterstatter die Bedeutung von
Bewertungssystemen unterstreichen und wir das PEGI-System nur loben können
(3), ist es immer noch wahr, dass die Bewertungen eher auf freiwilliger Basis erstellt werden. Nur wenige Länder haben das Anbringen dieser Bewertungen gesetzlich festgelegt. Nicht nur das: Nur ein paar Länder der EU verbieten den Verkauf von Spielen an minderjährige Kinder
(4).
Ist eine
Zwangsvollstreckung die Lösung? Dies wiederum ist eine andere Debatte. Wie wir am griechischen Beispiel sehen, ist die Einführung eines Bewertungssystems kein Wundermittel. Nur die Bedeutung, die wir einem solchen System beimessen, wird Früchte tragen.
Gleichzeitig deutet die Forschung darauf hin, dass „Abhängige von Computerspielen die gleichen Persönlichkeitszüge aufweisen wie Personen mit Asperger-Syndrom“
(5). Obwohl dies nicht bedeutet, dass Computerspiele das Asperger-Syndrom hervorrufen können, wird die
Anti-Gaming-Lobby dies zweifellos als Munition einsetzen, genau wie die Schlagzeile, dass „Nintendos Exergame Kinder fälschlicherweise als übbergewichtig bezeichnet“
(6). Ein rasches Überfliegen von Artikeln wie diesen, die sich der Dramatisierung und Fehlinterpretation hingeben, werden einerseits das Misstrauen in eine schlecht verstandene Technologie anschüren und andererseits die Befürworter von Spielen dazu führen, allen Informationen zu misstrauen, die aus Quellen außerhalb ihres Kreises stammen.
Eine vor kurzem veröffentlichte Mitteilung der
Europäischen Kommission unterstreicht auch die Nützlichkeit des PEGI-Bewertungssystems und hebt die Bedeutung dessen hervor, dass die Gesetzgebung verstanden wird und die Konsumenten auf dem Laufenden sind:
„Videospiele sind zu einem Hauptpfeiler der europäischen Inhalte-Industrie geworden. Überall in Europa werden steigende Verkaufszahlen verzeichnet. Das ist zu begrüßen, erlegt der Branche aber auch eine größere Verantwortung auf, dafür zu sorgen, dass die Eltern wissen, was ihre Kinder spielen,“ erklärte
Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien. „Als Beispiel einer verantwortungsbewussten Selbstregulierung und als einziges europaweit angewandtes System seiner Art ist PEGI zweifellos ein sehr guter erster Schritt. Ich glaube aber, dass noch erhebliche Verbesserungen möglich sind. Dazu muss PEGI, sowohl in Europa als auch darüber hinaus, in der Öffentlichkeit besser bekannt gemacht und überall vollständig eingeführt werden. Außerdem rufe ich die Mitgliedstaaten und die Branche auf, den Verkauf von Videospielen in den Läden so zu regeln, dass der für unsere Gesellschaft so zentrale Jugendschutz gewährleistet wird.“
(7)Tatsache ist, dass
zerstörerische und gewalttätige Spiele sehr beliebt sind und es vielen erlauben, ihre Fantasien vielleicht auf die sicherste Art und Weise, die es gibt, auszuleben. Eine gewisse Doppelmoral ist hier jedoch am Werk: Schreie der Entrüstung werden zum Beispiel selten in Bezug auf die Zerstörung und Gewalt im Schachspiel laut. Keith Stuart von
The Guardian erklärt:”Die Zerstörung ist ein wesentliches Element der Spielgestaltung. Sie ist unumgänglich. Ganz egal wie sehr wir uns wünschen, sie zu überwinden oder wie erfolgreich Nintendo mit seinen gemütlichen, niedlichen Familientiteln ist, bleibt das Ziel einer großen Anzahl von Spielen, Dinge kaputtzuschlagen oder auf sie zu schießen, oder sie erst kaputtzuschlagen und dann auf sie zu schießen.“
(8) Was so besorgniserregend ist, ist der
Realismus der Spiele, und dieses Problem wird sich mit der Entwicklung der Spieltechnologie nur verschlimmern.
Wie so oft in den Interessenbereichen von
Insafe muss das Bewusstsein der Schlüssel sein. Unsere Verantwortung als Netzwerk ist es, die Verfahren bekanntzumachen, die das Bewusstsein am meisten und am wirksamsten steigern.
Und jetzt zurück zum Spiel.1. video games.yahoo.com
2. gearsforums.epicgames.com3. www.pegi.info
4. en.wikipedia.org5. www.bolton.ac.uk6. videogames.yahoo.com7. europa.eu8. www.guardian.co.uk