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Glücksspiel und Minderjährige: Neueste Entwicklungen

Angebot und Beliebtheit steigen

Minderjährige (und Erwachsene) die sich online dem Glücksspiel hingeben möchten, haben eine stets größer werdende Auswahl. Die steigende Beliebtheit des Pokers, insbesondere unter Jugendlichen, bereitet uns große Sorgen. Das Internet bietet mehr und mehr (illegale) Glücksspielsites an. Das Glücksspiel über Mobiltelefone nimmt auch zu. Dies ist ein internationales Phänomen. Die Teilnahme an Lotterien über Mobiltelefone ist ein boomendes Geschäft. Gemäß einigen Beobachtern werden Lotterien, Wetten und andere Glücksspielsektoren über Mobiltelefon bis 2010 380 Millionen Spieler zählen, die pro Jahr 12 Milliarden verwetten werden. Es wird erwartet, dass Geldspiele sich in den nächsten drei Jahren zur beliebtesten Mobiltelefondienstleistung entwickeln werden. Die Vereinfachung der Geldüberweisungssysteme wird zu dieser Entwicklung beitragen. Sogar das digitale Fernsehen könnte zur Plattform werden. Europa zählt heute 3,3 Millionen Konsumenten, die sich regelmäßig kleinen Wetten im Internet hingeben. Insgesamt macht dies einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro aus.
Das Glücksspiel verlagert sich auf jeden Fall immer mehr von den Cafés und Casinos ins Internet und in die Wohnzimmer. Eine wachsende Anzahl an Minderjährigen ist daran beteiligt. Daher muss dieses Problem innerhalb des Insafe-Netzwerkes angesprochen werden.

Eine vom CRIOC durchgeführte Studie über den Konsum von Geldspielen auf Basis einer in 2006 unter 2305 Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren durchgeführten Umfrage zeigt, dass 2 von 5 Jugendlichen bereits für Geld gespielt haben. Dies ist ein Anstieg im Vergleich zu 2005, als nur einer von 4 Jugendlichen bereits für Geld gespielt hatte. Die Studie zeigt, dass die Einsätze hoch sein können und dass die Abhängigkeit steigt. Junge Spieler geben im Durchschnitt 6,5 Euro pro Monat für diese Spiele aus, aber es gibt auch Jugendliche, die größere Summen– bis zu 40 Euro pro Monat – für diese Aktivität ausgeben. Das Durchschnittsalter, in dem Kinder anfangen, für Geld zu spielen, liegt bei 11 Jahren und 8 Monaten. Rubbellose sind am beliebtesten (33%), gefolgt von Spielhallen und Lotto (30%), Kartenspielen und Bowling (7%) und Glücksspielen im Internet (6%). Junge Spieler nehmen mehr als einmal pro Woche an Glücksspielen im Internet oder an Kartenspielen teil oder geben Sportwetten auf. Glücksspiele per Textnachricht, Lotterien und Rubbellose werden einmal pro Woche benutzt. 6% der jungen Spieler gaben an, dass sie sich ständig zum Spiel hingezogen fühlen, 4% sagten aus, dass sie das Spiel benutzen, um ihre Probleme zu vergessen, und 3 % sagten, dass sie sich angespannt und reizbar fühlen, wenn sie weniger oft spielen; ebenfalls 3 % gaben an, dass ihre Ausgaben für Geldspiele gestiegen sind. Die Folgen der Teilnahme an Glücksspielen sind nicht unbedeutend, wenn wir in Kauf nehmen, dass 3 % der Jugendlichen ihre Teilnahme an solchen Spielen vor ihren engsten Familienmitgliedern verheimlichen und dass nur 2% dieser Spieler sich ihrer Abhängigkeit von den Spielen bewusst sind. Darüber hinaus steht die Abhängigkeit vom Glücksspiel in Verbindung mit der Tabak-, Alkohol- und Drogenabhängigkeit; das Glücksspiel wird mehr und mehr zum ersten Schritt zur allgemeinen Abhängigkeit. Schlussfolgerung: Viele Jugendlichen nehmen an Glücksspielen teil, die vom Gesetz her verboten sind, jedoch einfach oder ohne jegliche Probleme über Telefone oder das Internet zugänglich sind.

Uns liegen keine Statistiken über den Erfolg des Pokers unter Minderjährigen in Belgien vor, unsere nationale Spielkommission und die zuständigen Polizeibehörden haben jedoch Warnungen über das Problem erlassen. Der in den Niederlanden vom ‘College van toezicht op de kansspelen’ ('Niederländische Kontrollstelle für Glücksspiele) veröffentlichte Bericht ‘Het gezicht van poker’ (Das Gesicht des Pokers) und eine von der Website Kaboem organisierte Umfrage, die sich besonders an Jugendliche richtete, ergaben, dass Poker in der Altergruppe der 15- bis 25jährigen immer beliebter wird. Die erste Umfrage erwähnt mehr als 800.000 Jugendliche, die im Laufe des letzten Jahres Poker gespielt haben, wovon 31% mehr als einmal pro Monat spielten und durchschnittlich 3,5 Stunden pro Woche dabei verbrachten. Fast 25% der jungen Spieler spielen auch im Internet und 50% hiervon tun dies mehr als einmal pro Monat. 25% der Jugendlichen gaben an, dass das Pokerspiel abhängig macht. Neueste Nachrichten zeigen, dass Jugendliche auch als Folge ihres Computerspiels in finanzielle Schwierigkeiten geraten können. Die Online-Umfrage von Kaboem, unter 1.300 Besuchern der Altersgruppe der 12- bis 17jährigen abgehalten, zeigt auf, dass fast 50% von ihnen gelegentlich Poker spielen. 1 von 3 spielt mit Geldeinsätzen. Die meisten spielen mit Freunden, aber 1 von 3 Befragten sagte aus, auch Poker im Internet zu spielen. Jugendliche schließen weniger oft Geldwetten online als im „richtigen Leben“ ab. Online geben sie in 58% der Fälle mehr als 10 Euro bei diesem Spiel aus, während sie offline meist 5 bis 10 Euro ausgeben.
Als Konsumentenorganisation ist es für uns interessant zu wissen, wie junge Spieler diese Online-Glücksspiel-Aktivitäten finanzieren. Durch unseren Kontakt mit Kaboem hat sich ergeben, dass die folgenden beiden Vorgehensweisen sehr geläufig sind. Auf gewissen Websites erhalten Möchtegern-Spieler als Einleitung eine Geldsumme (Kredit): Angebote, kostenloses Geld, usw. Mit diesem Kredit können sie spielen und ihren Kredit auf der Website erhöhen. Dann gibt es zahlreiche Websites, auf denen die Wetten mit „Spielgeld“ gemacht werden, mit fiktivem Geld also. Wenn jemand jedoch oft genug spielt und viel „Extra-Kredit“ verdient, kann er oder sie mit einem kleinen Betrag in echtem Geld belohnt werden, zum Beispiel 10 Cent. Wenn der Spieler mit diesem Geld weiterspielt, kann er die Summe schließlich erhöhen, bis das Spiel an Tischen weitergeführt wird, wo der Einsatz pro Spiel zum Beispiel bis zu 5 US-Dollar gehen kann.

(Zu) leichter Zugang und immer mehr Zahlungsmöglichkeiten für Minderjährige

In Belgien können Minderjährige nicht an Wetten, Lotterien und Glücksspielen teilnehmen. Nicht in Cafés, nicht auf der Straße, nicht im Fernsehen, nicht über Mobiltelefone… und natürlich auch nicht über Internet. In Belgien ist es verboten, Lotterien und Glücksspiele über Internet anzubieten. Beschützt dies den potentiellen Spieler vor den Risiken des Online-Glücksspiels und des Spielens? Nein, denn unsere Gesetze können die virtuelle Realität des Internets nicht blockieren, die leicht über die Grenzen eines Landes hinweggeht. Inzwischen sind Lotterien, Glücksspiele und Wetten im Internet zum großen Geschäft geworden. Es ist fast unmöglich, die belgischen Regeln über die Erschließung des Glücksspiels im Internet zu kontrollieren. Es ist schwierig, die Identität der Organisatoren der Online-Glücksspiele zu ermitteln. Das Internet bietet eine große Anonymität und die virtuellen und flüchtigen Figuren im Web erlauben es Organisatoren, schnell und wirksam zu arbeiten, was das Risiko, erwischt zu werden, erheblich senkt. Außerdem kann jede Person im Ausland, die eine Erlaubnis für die Erschließung von Spielen hat, Online-Glücksspiele weltweit zugänglich machen. Daher ist es beinahe unmöglich, einen belgischen Bann auszusprechen. Belgische Erwachsene können auf vielen ausländischen Websites wetten und spielen, die in Ländern registriert sind, in denen Online-Glücksspiele erlaubt sind (dies bedeutet nicht, dass es ihnen erlaubt ist zu spielen, aber sie riskieren als Einzelspieler keine gesetzlichen Strafen). Theoretisch können Minderjährige dies nicht tun, aber in der Praxis sieht das ganz anders aus.

Sind diese Spiele so einfach zugänglich? Bevor wir diese Frage beantworten, möchten wir eine Erkenntnis über das Offline-Glücksspiel hervorheben. Ein „Undercover-Shopping-Trip“ des CRIOC in 2006 hat ergeben, dass die Produkte der nationalen Lotterie in 8 von 10 Verkaufspunkten ohne jeglichen Vorbehalt an Minderjährige verkauft wurden, obwohl die Gesetzgebung dies untersagt. Online ist die Situation nicht besser. Die Beliebtheit des Pokers im Internet steigt nicht nur beträchtlich unter jungen Konsumenten, die Poker-Industrie tut auch wenig oder nichts, um sie von den zahlbaren Online-Glücksspiel-Sites fernzuhalten, wie eine Botschaft auf dem niederländischen Planet Internet deutlich belegt. Die Angabe eines falschen Geburtsdatums reichte, um den Jugendlichen den Zugang zu den Glücksspielen zu öffnen. Das Alter eines Minderjährigen wird in der Tat nicht gut oder effizient genug geprüft.

Abgesehen von all dem gibt es noch eine weitere Entwicklung – bestens von den Konsumentenorganisationen im Auge behalten – die eine wichtige Rolle spielt, und zwar die steigende Verfügbarkeit einfacher Zahlungsmöglichkeiten. Jugendliche verfügen über eine wachsende Anzahl von Möglichkeiten, um sich einfachen Zugang zu finanziellen Transaktionen online zu verschaffen, sei es Bezahlung per Mobiltelefon, über Internet mit einer normalen Bankkarte (anstatt einer Kreditkarte, die Jugendlichen nicht zur Verfügung steht)…

Hier möchten wir unterstreichen, dass ein Unterschied gemacht werden muss zwischen einem Spiel, das man gegen Bezahlung spielen kann und das Spielen um Geld (oder Glücksspiel). Letzteres beinhaltet eine Wette ( die Teilnahmekosten können als eine Art Wette maskiert werden), eine Chance, etwas zu gewinnen, unter welcher Form auch immer, oder die Wette zu verlieren, und schließlich die Chance (auch zweitrangig) zu gewinnen oder zu verlieren. In Belgien sind Glücksspiele jungen Leuten unter 18 Jahren untersagt. Gewisse Spiele, kostenlos oder gegen Bezahlung, versprechen keine Gewinne. Diese Aktivität ist Minderjährigen zugänglich. Die erste Form heißt Glücksspiel, die zweite Gaming. Das Problem ist jedoch unserer Meinung nach, dass die Grenzen zwischen diesen beiden Spielarten sich immer mehr verwischen. Beispiele: Casinowebsites, die Spiele online anbieten, die kostenlos gespielt werden können, die den Spieler aber anschließend auffordern, Spiele gegen Bezahlung zu spielen; Websites, die eine virtuelle Lebensumgebung präsentieren (wie Second Life, eine Art e-Gaming) und auch Spiele anbieten, usw. Für Minderjährige kann das e-Gaming sowie das e-Glücksspiel risikoreich sein und Kosten verursachen, die sie nur mit Schwierigkeiten bewältigen können. Das CRIOC hat bereits Beschwerden gegen eine Website eingereicht, die sehr jungen Kindern gegen Bezahlung so genannte pädagogische Spiele anbot.

Wie können wir den Zugang zu Geldspielen für Minderjährige einschränken?

Im Allgemeinen setzt sich das CRIOC für ein effizienteres zusammenhängendes legales Rahmenwerk für alle Arten von Glücks- und Geldspielen ein. All diese Spiele weisen ein mehr oder weniger gleich hohes Abhängigkeitsrisiko auf und können katastrophale Folgen für die finanzielle und soziale Situation der Minderjährigen haben. Sie fallen jedoch unter verschiedene Gesetze. Es müssen auch Kontrollen über das Angebot von Online-Glücksspielen durchgeführt werden, denn das derzeitige völlige Spielverbot treibt die Konsumenten zu dubiosen oder sogar verdächtigen fremden Websites. Ein belgisches Angebot würde Garantien in Bezug auf die finanzielle Situation, die Transparenz, usw. ergeben. Das gesamte Angebot könnte dann unter die Aufsicht eines einzigen Kontrollorganismus gestellt werden. Die nationale Spielkommission muss im Allgemeinen mehr Kompetenzen für Inspektion und Strafverhängung erhalten. Diese Kommission muss auch mit einem unabhängigen Mittel versehen werden, das die Entwicklung des Spielkonsums unter Minderjährigen und Erwachsenen anhand eines Messinstruments für die kommerziellen Praktiken der Verkäufer im Auge behält. Das CRIOC hat der Spielkommission bereits eingehende Ratschläge über all diese Aspekte gegeben.

Welchen Eindruck haben wir über die Altersgruppe der Minderjährigen? Wir können im Allgemeinen sagen, dass junge Konsumenten und Minderjährige besser beschützt werden müssen, weil sich einer Teilnahme kaum Hindernisse entgegensetzen und es kaum Kontrollen gibt. Hiermit beziehen wir uns nicht nur auf Glücksspiele im Internet, sondern auch auf Glücksspiele und Gaming offline, zum Beispiel der Kauf eines Lottoscheins in einem Zeitungskiosk durch einen Minderjährigen, was gesetzlich verboten ist, oder die Teilnahme an Telefonspielen im Fernsehen, Spiele über Mobiltelefone, usw. Hier einige der Vorschläge des CRIOC an die Spielkommission:

  • Personen, die Produkte der nationalen Lotterie verkaufen, sich jedoch nicht an die Vorschriften halten, müssen wirksamer bestraft werden.
  • Organisatoren und Anbieter von Spielen müssen im Allgemeinen die Verlässlichkeit der Alterskontrolle der SpielerInnen garantieren. Eine Aussage des Teilnehmers allein reicht nicht. Ein Vorschlag, um diesem Problem entgegenzuwirken, ist, das Alter der Person durch eine Vertrauensperson prüfen zu lassen.
  • Es muss ein striktes Rahmenwerk für die Zahlungsmöglichkeiten geben. Minderjährige haben nicht die gleiche rechtliche Befugnis, die Verantwortung für ihre finanziellen Schulden zu übernehmen. Die Benutzung neuer Zahlungsmöglichkeiten sollte ihnen nur innerhalb vernünftiger Grenzen erlaubt sein. Zwei Beispiele: Einen maximalen wöchentlichen Betrag festlegen, den der Minderjährige ausgeben kann und die Eltern mit der technischen Möglichkeit ausstatten, eine Bezahlung zu blockieren, die von einem Minderjährigen ausgeführt wurde.
  • Die Bedeutung der Vorbeugung anerkennen und sie in der Praxis anwenden. Ohne auf diese Maßnahmen zu warten, hat das CRIOC als belgischer Knotenpunkt unter saferinternet.be bereits informative Webseiten zum Thema Online-Spiele (e-Gambling und e-Gaming) für Eltern und PädagogInnen zusammengestellt.

Verschiedene Studien des CRIOC über Minderjährige und Glücksspiele sind verfügbar unter www.saferinternet.be (nur in Niederländisch und Französisch). Weitere Informationen? Fragen oder Vorschläge? Bitte schicken Sie eine E-Mail an infonl@saferinternet.be (Niederländisch) und infofr@saferinternet.be (Französisch)

Stefaan Hendrickx
OIVO-CRIOC, Knotenpunkt Belgien
www.saferinternet.be

 

 

veröffentlicht: Wednesday, 19 Dec 2007
Letzte Änderung: Wednesday, 19 Dec 2007
 
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