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Überlegungen zum Safer Internet Day 2008
Der 12. Februar wurde zum Safer Internet Day ausgerufen. Die Initiative der Europäischen Kommission soll die Gesellschaft auf die (un)sichere Benutzung von IKT aufmerksam machen. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei den Kommunikationsthemen zugute: sicheres Chatten, sexueller Missbrauch, Cyberbelästigung, Pornographie im Internet, usw.... |
Zur Förderung des Safer Internet Day veröffentlichte das Insafe Netwerk einen interessanten Videoclip (www.saferinternet.be). Der Film zeigt eine Computermaus auf einem Tisch und ein Dutzend stereotyper Hände, die mit der Maus arbeiten: Ein Arzt, ein Autofahrer, ein Hippiemädchen, ein Musiker, usw. Der Film soll zeigen, dass es Personen gibt, die Internet zu verschiedenen Zwecken benutzen und darauf hinweisen, dass gewisse Personen vielleicht schlechte Absichten haben. Gleichzeitig wurde am Safer Internet Day ein Bewertungbericht über verschiedene Inhaltsfilter veröffentlicht.
Die sichere Anwendung von IKT ist eine komplexe Angelegenheit und beinhaltet mehr als nur sicheres Chatten und schädliche Inhalte. Bereiche wie die Urheberrechte und technische Probleme wie Spam, Viren, Spyware und andere Malware müssen z.B. auch in Kauf genommen werden. Die eSicherheit verdient auch ihren Platz. Wieso konzentrieren wir uns jedes Mal ausschließlich auf schädliche Inhalte?
Dieses besondere Augenmerk verdanken wir schon dem Namen allein: Es heißt nicht „Safe Internet Day“, sondern „SafER Internet Day“. Dies deutet darauf hin, dass das Internet eigentlich unsicher ist. Diese Annahme erscheint mir schlecht begründet. Jede Art Technologie kann zu guten oder schlechten Zwecken benutzt werden. Missbräuche sind gut dokumentiert und sollten nicht unterschätzt werden, aber der größte Teil der Gemeinschaft benutzt Internet genau zu dem Zweck, zu dem es entworfen wurde: Zur Kommunikation, zum Austausch von Informationen, zum Spielen von Online-Spielen, zum Austausch von Ideen, Meinungen, zum Spaß…
Moralische Panik
Stellt die Konzentration auf die schädlichen Einflüsse der Internetkommunikation nicht vielmehr eine Form der moralischen Panik dar? Das Internet ist im Handumdrehen zu einem wesentlichen Bestandteil der Jugendkultur geworden. Ein 18-Jähriger verbringt durchschnittlich anderthalb Stunden pro Tag mit der Teilnahme an Aktivitäten im Internet. 95% aller 15-Jährigen haben zu Hause Zugang zu einem Computer und zum Internet. Mehr als 4 von 5 Jugendlichen chatten mindestens einmal pro Woche, die meisten chatten täglich. Mehr als die Hälfte der 16-Jährigen lädt wöchentlich Musik oder Filme herunter.
Viele Eltern fragen sich, womit ihre Kinder auf dem Computer all diese Stunden verbringen. Nun, sie kommunizieren. Sie chatten. Sie erledigen Schulaufgaben und besprechen die Ereignisse des Tages, oder chatten über alle möglichen Themen. Online sein an sich kann der einzige Grund und Zweck sein. Sie lernen vielleicht daraus, wie andere auf sie reagieren – ein Schritt in ihrer Suche nach Individualität und Identität. Chatten ermöglicht es ihnen auch, ihre Beliebtheit zu messen: Das Ziel ist, so viele Chatfreunde wie möglich zu haben. Nicht zuletzt bietet die digitale Welt viele Möglichkeiten zum Experimentieren. Alles geschieht schneller, ist anonym und zugänglicher.
Natürlich passieren in der digitalen Welt Unfälle, genau wie im richtigen Leben. Die Medien heben diese Unfälle mit Vorlieben hervor. Die Eltern und LehrerInnen sind sich dessen bewusst, in welchem Maße die neuen Medien das Leben und die Welt ihrer Kinder bestimmen, aber die meisten kennen sich selbst nicht genügend mit den neuen Technologien aus. Andererseits wird der Computer eingesetzt, um die Kinder ruhig zu halten oder zu beschäftigen; andererseits haben sie durch ihren eigenen Mangel an Computerkenntnissen das Gefühl, die Kontrolle über ihre Kinder zu verlieren. Sowohl die übertriebene Aufmerksamkeit für alle Arten von Medien und der eigene Mangel an e-Skills (digitale Kompetenz) verstärken den falschen Eindruck, dass die virtuelle Welt ein sehr gefährlicher Ort ist...
Wachsame und kritische Jugendliche
Daher ist es wichtig, dass Jugendliche kritisch und wachsam sind und den Gefahren widerstehen können, die einen unvermeidbaren Teil der Internetbenutzung ausmachen, genauso wie sie täglich im Verkehr aufpassen müssen. Sind Kinder unkritisch oder nicht wachsam genug? Keineswegs.
Eine von flämischen Rundfunk- und Fernsehsendern in Auftrag gegebene Studie ergab, dass flämische Jugendliche vor Sex im Internet auf der Hut sind. Einem von 4 Jugendlichen wurde vergangenes Jahr eine explizit sexuelle Frage gestellt, meist von Personen, die sie kennen (Freunde oder Freundinnen). Der Mehrheit (7 von 10) war dies unangenehm und nur 23% antworteten auf diese Art Fragen. Wenn sie antworteten, so nur, weil sie dem Fragesteller vertrauten. Genau 4 Jugendliche reagierten auf die Frage, weil sie sich erregt fühlten. Acht Prozent der Jugendlichen erhielten eine Aufforderung, vor der Webcam eine sexuelle Handlung durchzuführen. 2 Kinder willigten ein. Es handelte sich hierbei um Jungen zwischen 17 und 18 Jahren, die es „erregend“ fanden. Acht Mädchen (1,5 %) haben im Laufe des vorhergehenden Jahres ein aufreizendes Foto von sich selbst online gestellt.
Worin besteht die Aufgabe der Eltern und LehrerInnen? Kinder werden nicht automatisch wachsam und kritisch. Die Beteiligung von LehrerInnen und Eltern an IKT-Aktivitäten sind eine Voraussetzung für eine sichere Benutzung. Die Sache ist die, dass niemand seine Kinder im Park zurücklassen würde, dies jedoch auf dem virtuellen Spielplatz ständig passiert. Wenn die Kinder dann noch über einen Computer in ihrem Zimmer verfügen, ohne Begleitung und unbewacht, dann sollten wir uns nicht darüber wundern, dass diese Kinder Opfer allen möglichen Missbrauchs sind.
Für alle Deutlichkeit: Internetfilter, die schädliche Inhalte blockieren, und Überwachungssoftware sind keine Alternative für die elterliche Beteiligung. Keiner der bestehenden Filter ist völlig wirksam und in vielen Fällen schaffen es die Jugendlichen im Handumdrehen, diese zu umgehen. Filter schaffen die gefährliche Illusion, dass die Technologie die Erziehungsaufgabe der Eltern übernehmen kann. Behält das virtuelle „Net-Kindermädchen“ unsere Kinder im Auge? Nicht wirklich. Beteiligung setzt voraus, dass wir wissen, was unsere Kinder tun und dass wir mit ihnen darüber reden.
Außer der Beteiligung sollten LehrerInnen und Eltern die Jugendlichen motivieren, Grenzen zu respektieren und Gefahren zu vermeiden. „Die Jugendlichen verabscheuen Regeln und Grenzen, die Erwachsene ihnen auferlegen, aber tief in ihrem Herzen benötigen und wollen sie diese Grenzen auch“, erklären Justine Pardoen und Remco Pijpers in ihrem Buch “Verliefd op het Internet” (Verliebt ins Internet). Wir überwachen unsere SchülerInnen im Schulhof und auf dem Spielplatz und bringen ihnen bei, die Straße sicher zu überqueren. Bringen wir ihnen also auch bei, sicher zu surfen.
Autor: Jan De Craemer, Ministerium der flämischen Gemeinschaft, Bildungsabteilung
Überblick über den Safer Internet Day 2008
Der Aktivitätsbericht über den Safer Internet Day 2008 wurde veröffentlicht und kann heruntergeladen werden. Er steht auf der SID Seite des INSAFE Portals zur Verfügung, wo sich auch andere Informationen befinden, die Ihnen die Gelegenheit bieten, eine Reihe der Aktivitäten des Tages durchzusehen.
Zur SID Seite
| veröffentlicht: |
Friday, 21 Mar 2008 |
| Letzte Änderung: |
Friday, 18 Apr 2008 |
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